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 GESCHICHTEN
Pferd Dunja im Glück
Max im Glück
Besuch der Klasse 6d; ALS Korbach
Schäferhund grausam gequält!
Besuch der Paul-Zimmermann-Schule Korbach
Besuch Kindergarten Kreisel
13 Verwahrloste Hunde
80 Tiere eingezogen
1000 Volt

MAX IM GLÜCK
 

Max, den Deutschen Schäferhund, sah ich zum ersten Mal nachdem ein schriftlicher Hilferuf anonym im Tierheim ankam. Ich fragte beim Staatlichen Veterinäramt nach, ob sich die Behörden schon um den Hund gekümmert hätten, weil die Eigentümer des Hundes schon immer für reichlich Ärger die Tierhaltung betreffend gesorgt hatten. Vom Amt bekam ich die Mitteilung: alles ok. Vor einem Monat wurde die Hundehaltung überprüft.
Es ließ mir keine Ruhe und ich fuhr trotzdem zu der Familie. Was sich mir und einem Mitarbeiter dort bot war schon fast makaber. Vor einer kleinen Hütte, durch einen Drahtverhau verschlossen und zu klein für den Schäferhund, saß die ganze Großfamilie und grillte Würstchen. Der Hund in der kleinen Behausung war völlig apathisch und abgemagert, ja fast verhungert. Die ganze Unterkunft mitsamt dem Hund stank erbärmlich. Der Hund war verwahrlost.
Ich versuchte die Familie zu überreden mir den Hund mitzugeben. Antwort: „Was wollen Sie, das Veterinäramt war da, es ist alles bestens". Ich bat, sie sollen den Hund doch einmal laufen lassen. Der Schäferhund bot außerhalb der Hütte ein noch viel erbärmlicheres Bild. Er konnte kaum laufen, das Fell hing in Fetzen herunter. Ich spürte, das Tier brauchte Hilfe, sein Blick sagte mir alles. Letztendlich kroch der Hund zurück in die Hütte. Die Familie verwies mich des Grundstücks. Auf dem Heimweg befiel mich eine schreckliche Traurigkeit und ich beschloß um Max zu kämpfen.
Ich schlief in der darauffolgenden Nacht nicht, schrieb stattdessen einen Brief an die Eigentümer, machte ihnen klar, daß sie mit erneuter Anzeige zu rechnen hätten, wenn sie Max nicht an uns übergeben würden. Ich wendete mich an die Polizei um Rat und nochmals an das Veterinäramt.
Die Tierschutzgesetze sind so formuliert, daß sie oftmals gar nicht greifen. In den 26 Jahren, in denen ich Tierschutz mache, sind die Tiere oftmals elendig eingegangen bevor die Behörden gehandelt haben Das ist das Leiden der Tierschützer, die trotz Anzeige dem Elend zusehen müssen und trotzdem darf man nicht aufgeben.
Für Max hatte ich den Kampf auf die Fahne geschrieben, denn ich merkte, daß schnell etwas passieren mußte. Der Blick dieses Tieres hatte mich motiviert.
Und tatsächlich, mein Schreiben an die Familie zeigte Wirkung. Drei Tage später rief einer der Familienmitglieder mich an und sagte ich könne den Hund holen.
Ich zitterte vor Erleichterung als mir dere Hund übergeben wurde. Max wollte nur weg; er zog, so daß wir ihn kaum halten konnten, zum Auto. Im Tierheim drückte sich Max ganz vorsichtig an mich. Nun sahen wir, daß der ganze Hund voller Wunden war. Er hatte Schmerzen wenn man ihn anfassen wollte. Er war ganz mager und schlang jeden Brocken, den er bekam, herunter.
Am nächsten Tag konnten wir beim Tierarzt das Ausmaß der Vernachlässigung erst richtig erkennen. Der ganze Körper, vor allem unter dem Bauch und an den Seiten, war mit offenen, eitrigen Wunden übersät. In dreistündiger Narkose wurde er fast ganz geschoren und die Wundflächen vorsichtig abgewaschen und behandelt. Am Hinterlauf hatte er Schnittwunden.
Mit einer „Tüte" um den Kopf und einem Body über dem Körper holten wir ihn ab. Tagelang lief aus den Wunden Sekret und deshalb mußten wir öfters den Body wechseln und sein Lager frisch machen.
Mit unendlicher Geduld ertrug Max die Schmerzen Er lehnt sich immer eng an mich und sah mich dankbar an. Nach einer Woche machte er die ersten Sprünge vor Freude wenn er uns begrüßte. Wir freuten uns über seine Fortschritte und den Lebensmut, den dieser Hund entwickelte.
Heute ist Max ein Hund, der vor Lebensfreude nur so strotzt. Aus dem einstigen Häufchen Elend, das sich nur im Innenbereich seiner Unterkunft halbwegs sicher fühlte, ist ein Prachtkerl geworden.
Max hat die letzten vier Jahre mehr oder weniger weggesperrt verbracht. Er braucht eine Familie, die ihn mit Liebe und Einfühlungsvermögen hilft sich sicher und geborgen zu fühlen.. Er muß lernen, daß er mit Wohlverhalten einen festen Platz in seiner Familie hat.
Genau an seinem vierten Geburtstag holten wir Max ab.
Der Schäferhundrüde mit roten Papieren hat nun eine Chance für ein schönes Leben verdient.
Hella Wilke




 
Max, kurz nachdem er bei uns im Tierheim angekommen ist. Max heute, ein toller Hund sucht ein Zuhase.